Die neue Erschöpfung
Bist du ständig erschöpft?
Vergisst du vieles?
Kannst du dich schwer konzentrieren?

Es wird viel über die Handysucht bei Kindern und Jugendlichen gesprochen. Doch kaum einer möchte zugeben, dass es bei den Erwachsenen genauso schlimm, wenn nicht noch schlimmer. Süchte haben es so an sich, dass sich einredet, es wäre nicht so schlimm und man könnte ja auch ohne. Aber sei mal ehrlich! Wie oft schaust du pro Stunde auf dein Handy, ob eine neue Nachricht angekommen ist? Wie oft schaust du dir den WhatsApp-Status am Tag an? Wie viele Podcasts hörst du? Wieviele Nachrichten, Instagrampost, Facebooknachrichten usw schaust du dir an? Das kannst du ganz leicht überprüfen, dein Handy trackt es mit und zwar pro App.
Das Handy ist zu einer Falle geworden. Wir wissen etwas nicht, also machen wir eine Onlinesuche. Wir machen uns Sorgen, wo unsere Liebsten sind, also schauen wir nach. Das Wetter, die nächste Bahn, Musik und vielleicht sogar unsere Schritte und der Herzschlag - alles ist in unserem Handy. Nach und nach wurde es mit wichtigen und unwichtigen Apps gefüttert. Und du merkst gar nicht mehr, wie abhängig du von dem Gefühl des Informiertseins geworden bist.
Die permanente Informationsflut, die auf uns einströmt, ist erschöpfend. Unser Gehirn ist überfordert, weil es das alles gar nicht verarbeiten kann. Es sortiert aus, was unwichtig erscheint und da kann schon mal etwas dabei, was eigentlich wichtig war.
Du kommst nach Hause und bist erschöpft, also schnappst du dir dein Handy und haust dich auf die Couch. Abends nimmst du dein Handy mit ins Bett, um nur noch ein bisschen zu schauen und runter zu kommen, oder noch einen Podcast zu hören. Und morgens nimmst du auch als erstes dein Handy in die Hand und willst dich informieren. Gleich die ersten Horrornachrichten lesen!
Erkennst du dich?
Du konsumierst in Dauerschleife und wunderst dich, dass du überfordert bist. Deine Gedanken kommen nicht mehr zur Ruhe, weil es keine Auszeiten mehr gibt. Wir halten Ruhe kaum noch aus oder Nichtstun. Es erscheint uns wichtig zu wissen wieviele Schritte wir gelaufen sind. Ist das wirklich wichtig?
Und das, was du den ganzen Tag so hörst und siehst, hat etwas davon dein Herz berührt? Oder hat dich einiges davon wütend gemacht oder verängstigt?
Hör mal in dich hinein?
Sei ehrlich zu dir!
Und dann lege dein Handy weg und schau mal in den Himmel. Schau deinem Partner, deinen Kindern mal wieder richtig ins Gesicht! Höre mal wieder richtig zu ohne ständig das Handy im Blick zu behalten!
Diese Reizüberflutung erschöpft extrem, du kannst dich nicht mehr konzentrieren und spürst dich nicht mehr so richtig. Und weil du so erschöpft bist, schaust du noch mehr auf dein Handy. Ein schlechter Kreislauf.
Und ist dir bewusst, dass das was du schaust - Nachrichten, auf Netflix & Co. - deine Angst füttert? Wie viele positive Informationen siehst du dir am Tag an? Die Algorhythmen so sind gebaut, dass sie dir immer wieder das zeigen, was du dir ansiehst. Also schaust du gerne Mysteryserien? Die meisten sind voll mit Horrorszenarien. Oder Nachrichten über Unfälle? Dir wird immer wieder das gleiche angezeigt und dein Gefühl, dass die Welt unsicher und beängstigend ist, bestätigt sich - durch das, was du siehst. Doch wieviel davon ist Realität? Kannst du es noch unterscheiden?
Eine wichtige Frage ist, ob du noch bewusst entscheidest, wie oft du nach deinem Handy grreifst oder ob es automatisch passiert.
Beobachte dich einmal selbst. Entscheide dich bewusst dafür, dein Handy mal eine halbe Stunde nicht in die Hand zu nehmen. Was passiert? Wirst du unruhig? Machst du dir Sorgen? Wird dir langweilig? Was es auch ist, versuche es auszuhalten. Dein Gehirn ist so an diese kurzfristige Dopaminkicks gewöhnt, dass es vielleicht schwierig wird. Doch dein Nervensystem braucht Ruhe.
Atme ein paar mal tief ein und aus, lasse deine Gedanken schweifen und schau in den Himmel. Spüre in deinen Körper hinein. Und genieße die Stille.


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